Der 1. Mai gehört uns!

Presse


Schon zum 36. Male verschoben Schnuttenbacher Arbeitnehmer die Maientour auf den Nachmittag. Am Vormittag war es vorgestern ein Muss, zuerst die Maikundgebung zu besuchen. Die fand im „Bürgerstüble“ statt. Bürgermeister Thomas Wörz wies in seiner Rede darauf hin, dass der 1. Mai den Sozialdemokraten und Gewerkschaftlern gehört. Denn, das Grundgesetz hat uns mit dem Prinzip
der wehrhaften Demokratie den Auftrag erteilt, unsere Grundwerte zu
verteidigen. An erster Stelle steht dabei für Thomas Wörz die Menschenwürde. Seit Jahren versuchen Rechtsextreme nun, den 1. Mai zu missbrauchen betonte der Redner: für Hetze gegen Migranten, Homosexuelle und die Schwächsten in unserer Gesellschaft, die zu Sündenböcken gemacht werden. Das ist der Kern des Rechtsextremismus:
Er spricht dem Menschen seinen Eigenwert ab und macht ihn
zum Objekt. In diesem Menschenbild ist der Bürger Untertan.
Die jüngsten Wahlen in Ungarn haben gezeigt, dass Rechtsextremismus ein
wachsendes Problem in Europa ist: Die faschistische „Jobbik“ holte 16 Prozent der Stimmen. Das ist laut Thomas Wörz ein Auftrag für die
gesamte Europäische Union, ihre Grundwerte konsequent zu schützen.
"Der 1. Mai ist der Tag der Menschenwürde und der Solidarität. Die Rechten wollen ihn zum Tag der Intoleranz und Ausgrenzung
machen. Auch deshalb ist er wichtig, dass wir Sozialdemokratinnen
und Sozialdemokraten am Tag der Arbeit gemeinsam mit den Gewerkschaften Flagge zeigen."

Forderungen der Gewerkschaften

Lange genug führte der Augsburger die Zügel der Bauarbeitergewerkschaft Westschwaben, ehe er als Geschäftsführer Ade sagte. Seine Tagesbotschaft: „Wir Arbeitnehmer brauchen einen starken Sozialstaat“. Einen, der gesetzliche Mindestlöhne von 8,50 Euro die Stunde festzurre, der das Renteneintrittsalter 67 kappe, der eine Kopfpauschale als Krankenversicherungsbeitrag ablehne und der bezahlbare Mieten für Senioren schaffe.

Zu jedem Thema erfuhren die 40 Besucher von Martin Koch nähere Informationen. So müsse die kleine Friseurin, sagte der Referent, für ihren monatlichen 500-Euro-Lohn ebenso viel in die Rentenversicherung abführen wie der 2000-Euro- Bezieher. Arbeitgeberanteile sollen in diesem System wegfallen. Koch plädierte für eine Bürgerversicherung mit maximaler Mitgliederbreite; die schließe Beamte und Vermögenseinkünfte ein. Einen Dachdecker gegen Ende seiner in luftiger Höhe verrichteten Berufstätigkeit ins Büro zu setzen (damit er das Pflichtalter 67 Jahre erreicht) - für den Gewerkschafter ist das ein unzumutbares Vorhaben, für die Zuhörer war es Grund zu lautem Schmunzeln. Im nächsten Jahrzehnt fehlt nach Kochs Beobachtung in den Städten für eine halbe Million Menschen altersgerechter Wohnraum. „Wir brauchen daher Fördermittel von Bund und Land.“

„Arbeit schützt leider nicht vor Armut“

Eingeläutet wurde die Versammlung von Bernhard Rabbeau, dem Kreisvorsitzenden der westschwäbischen Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Er stieß sich an der großzügigen Griechenlandhilfe und der daraus abzuleitenden inflationären Entwicklung.

„Leider schützt Arbeit nicht vor Armut“, betonte Offingens SPD-Bürgermeister Thomas Wörz und bedauerte Niedriglöhner und Leiharbeiter. Die ersten müssten nebenher einen zweiten Beruf ausüben, um über die Runden zu kommen, die anderen wünschten sich einen sicheren Arbeitsplatz, erklärte der Bürgermeister.

 
 

Zitate

Sich unglücklich fühlen kann zur schlechten Angewohnheit werden.
[George Meredith]

 

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